| Peinlich, peinlich, da wird man als "Fachmann"
gefragt, wer denn der augenblickliche Weltmeister sei, und kann -wenn
überhaupt- nur stockend antworten. Und ganz sicher ist man sich in
seiner Antwort auch nicht. Bis 1993 war die Auflistung noch recht einfach, alles ging eben seiner geregelten Bahn nach, da gab es hübsch ordentlich einen Weltmeister nach dem anderen. Bis auf ein paar kleine Holperstellen, 1946 bis 1948 zum Beispiel, als der WM-Titel vakant war. Oder die Jahreszahlen für die Mehrfach-Weltmeister Alexander Aljechin, Anatoli Karpov oder gar Michail Botwinnik kann man schon mal durcheinander bringen. |
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Adolph Anderssen |
Wilhelm Steinitz |
![]() Dr. Emanuel Lasker |
| Daher erst einmal der leichte Teil, die Weltmeister von 1886 bis 1993. Zuvor gab es keine offiziellen Schach-Weltmeister. So wurde jedoch Adolph Anderssen aus Breslau bezeichnet, der bei dem ersten neuzeitlichen internationalen Turnier 1851 in London als Sieger hervorging. | ||
| 1. Weltmeister 2. Weltmeister 3. Weltmeister 4. Weltmeister 5. Weltmeister |
Wilhelm Steinitz (Österreich) Dr. Emanuel Lasker (Deutschland) José Raoul Capablanca (Kuba) Alexander Aljechin (Frankreich) Prof.Dr. Max Euwe (Niederlande) |
1886 - 1894 1894 - 1921 1921 - 1927 1927 - 1935 1937 - 1946 1935 - 1937 |
![]() José Raoul Capablanca |
Alexander Aljechin |
Prof. Dr. Max Euwe |
| 6. Weltmeister 7. Weltmeister 8. Weltmeister 9. Weltmeister 10. Weltmeister |
Michail Botwinnik (UdSSR) Wassily Smyslow (UdSSR) Mikhail Tal (Lettland/UdSSR) Tigran Petrosjan (UdSSR) Boris Spasski (UdSSR) |
1948 - 1957 1958 - 1960 1961 - 1963 1957 - 1958 1960 - 1961 1963 - 1969 1969 - 1972 |
Prof. Michail Botwinnik |
Wassily Smyslow |
Mikhail Tal |
| 11. Weltmeister 12 . Weltmeister 13. Weltmeister |
Robert James Fisher (USA) Anatoli Karpov (UdSSR) Garri Kasparov (UdSSR) |
1972 - 1975 1975 - 1985 1993 - 1999 1985 - 1993 |
![]() Tigran Petrosjan |
![]() Boris Spasski |
Robert J. Fisher |
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Die K-u-K-Monarchie Karpov und Kasparov schrieb 3 Jahrzehnte lang Schachgeschichte |
| Wie gesagt, bis hierher war´s noch
einfach. Aber jetzt wird´s stellenweise unübersichtlich wegen
der vom Schachzaren Kasparov ins Leben gerufenen PCA und der Verlegenheitslösung
"Braingames-WM". Wie kam es zur Spaltung der Schachwelt? 1993
- Kasparov gründet die PCA |
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Jan Timman |
Gata Kamsky |
1995 verteidigte Kasparov seinen PCA-WM-Titel gegen
den Herausforderer Viswanathan Anand (2725)
mit einem Ergebnis von 10,5 zu 7,5 Punkten. Kasparov fühlte sich
bestätigt in seiner Überzeugung, der weltbeste Spieler zu
sein. 1996 spielte auch Karpov wieder um seinen WM-Titel, natürlich
wieder unter der Schirmherrschaft der FIDE. Karpovs Gegner war Gata
Kamsky (2735), ein Spieler, der es in wenigen Jahren an die Weltspitze
schaffte und schon als neuer Weltmeister betrachtet wurde. Es wurden
18 Partien ausgetragen und der Kampf endete 10,5 zu 7,5 für Karpov,
der damit natürlich weiterhin Fideweltmeister blieb. Und immer
noch waren die Meinungs- |
Viswanathan Anand |
Alexander Khalifman |
![]() Vladimir Akopjan |
A. Shirov, der vierte der ganz Großen |
Vladimir Kramnik |
1999 wurde der Weltmeister in einem Knock-out-Turnier
ermittelt, ein neuer umstrittener Modus, in dem selbst der aktuelle
Weltmeister teilnehmen und es ins Finale schaffen musste, wenn er seinen
Titel erneut gewinnen wollte. Das gab es noch nie in der Schachgeschichte,
dass ein Spieler Weltmeister werden konnte ohne den Weltmeister direkt
herausgefordert zu haben. Kasparov, der sich als der wahre Weltmeister
betrachtete, gefiel diese Art von WM-Tunier überhaupt nicht, weil
es bedeutete, dass er sich als Weltmeister quasi mit dem "Fußvolk"
messen müsste anstatt nur direkt mit dem Herausforderer. Sieger
und damit 14. Weltmeister wurde Alexander Khalifman,
der sich im Finale gegen Vladimir Akopjan durchsetzen
konnte.
Aber auch die FIDE veranstaltete einen neuen WM-Kampf,
der ja nun jährlich ausgetragen werden soll. Weltmeister 2000 wurde
Viswanathan Anand (eigentlich Anand Viswanathan!),
der Alexej Shirov mit 3,5 zu 0,5 besiegte.
Im Jahr 2001 konnten sich Vassily Ivanchuk
und Ruslan Ponomariov für das Finale
qualifizieren. Für viele war es eine Überraschung, als "Pono"
siegte und somit der |
![]() Peter Leko |
![]() Ruslan Ponomariov |
Vassily Ivanchuk |
| Die neueste Entwicklung Vom 25. September bis zum 18. Oktober 2004 wird der WM-Kampf zwischen dem Weltmeister des klassischen Schachs, Vladimir Kramnik (Elo 2777, 2. der Weltrangliste) und Peter Leko (2741, 4. der Weltrangliste) stattfinden. Nach langen Verhandlungen und mehrmaligem Verschieben und Absagen des Duells kam es endlich zu einer Einigung zwischen den Spielern und dem Sponsor Dannemann. Der Spielort sowie das Preisgeld stehen noch nicht fest, werden aber im Mai 2004 bekannt gegeben. Viele Schachexperten hoffen darauf, dass die Schachwelt wieder unter dem Dach der FIDE vereint wird. Denn es gibt viele Streitpunkte zwischen den Spielern und der Weltschachorganisation. So gibt es zwei Weltmeister (V. Kramnik und Ruslan Ponomariov). Und dann gibt es noch den Weltranglisten Nr.1 Garri Kasparov, den viele noch immer für den besten Spieler der Welt halten. |
![]() Die Schöne, das Biest und zwei andere Weltmeister |
Der Noch-Weltmeister und der Präsident |